Arbeiten in Norwegen

Zum Thema Arbeiten in Norwegen gibt es viele wichtige Dinge, die potentielle Arbeitnehmer wissen sollten. Deswegen habe ich die wichtigsten Punkte hier zusammen getragen.

Arbeit - die gesetzlichen Bestimmungen

Das EWR-Abkommen (das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum) gibt Arbeitssuchenden, Studenten und Selbstständigen aus anderen EWR-Staaten das Recht, sich in Norwegen ohne Arbeitserlaubnis niederzulassen, einer Tätigkeit nachzugehen oder zu studieren. Das bedeutet, dass man als Bürger eines EWR Staates keine Arbeitserlaubnis braucht um in Norwegen zu arbeiten. Als EU Bürger braucht man mittlerweile auch keine Aufenthaltsgenehmigung mehr. Jedoch muss man sich beim UDI registieren und die Anforderungen sind die gleichen, wie ehemals bei der Aufenthaltsgenehmigung. Man braucht eine Bestätigung vom norwegischen Arbeitgeber woraus hervorgeht das man dort angestellt ist und wieviel man verdient. Wer ohne Arbeit nach Norwegen zieht muss den Nachweis erbringen das man durch Rente oder andere Einnahmen über ein Einkommen verfügt welches die Lebenshaltungskosten deckt. Desweiteren braucht man eine Adresse in Norwegen unter der man gemeldet ist.
Den Antrag für die Registierung in Norwegen muss man online bei externer LinkUDI ausfüllen. Man muss dazu auf der Webseite einen Account zur Registierung anlegen und dann die online Registierungsdokumente ausfüllen. Die Menüführung der Webseite im Registierungsbereich ist komplett in Englisch gehalten. Sobald man sich registiert hat bekommt man eine Bestätigungsmail mit einer Registierungsnummer. Diese mail sollte man ausdrucken und damit geht man dann zur nächsten Polizeistation die dann den Rest erledigt. Die Registierungsbestätigung und somit die Bestätigung das man sich legal in Norwegen aufhält bekommt man wenige Wochen später mit der Post zugeschickt. Im Gegensatz zur Aufenthaltsgenehmigung welche maximal auf 5 Jahre befristet war ist die Registierung unbegrenzt gültig.
Das Abkommen gilt für alle EU-Staaten (Schweden, Finnland, Dänemark, Irland, das Vereinigte Königreich, Belgien, die Niederlande, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Spanien, Portugal, Italien, Österreich und Griechenland) und die EFTA-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen.
Was Arbeitsentgelt, Arbeitsbedingungen, Ausbildung, soziale Sicherheit und Gewerkschaftszugehörigkeit betrifft, gelten für Ausländer die gleichen Rechte wie für Norweger.
In der Regel hat man Anspruch auf eine Registierung des Aufenthalts, wenn man einen gültigen Reispass vorlegt und nachweisen kann, dass man ausreichende finanzielle Mittel für den Lebensunterhalt zur Verfügung hat bzw. in Norwegen verdienen wird.
Wenn man in Norwegen angestellt ist, legt man eine Bestätigung des Arbeitgebers über die Beschäftigung vor.
Wenn man ohne Beschäftigung seinen Wohnsitz in Norwegen einrichten möchte, muss man über ein regelmäßiges Einkommen (z.B. Rente aus dem Heimatland) verfügen. Dieses muss allerdings mindestens der norwegischen Mindestrente entsprechen. Zusätzlich muß man in seinem Heimatland eine Krankenversicherung abgeschlossen haben, die dem norwegischen Gesetz entspricht.
Wer in Norwegen studieren will, legt die Aufnahmebestätigung einer anerkannten Universität/ Hochschule/ Ausbildungsinstitution vor. Die Ausbildung muss berufsbezogen sein. Ein Plan für das Studium sowie eine Erklärung über die Finanzierung des Studiums in Form einer Bürgschaft, einer Garantie oder einer Stipendienzusage werden außerdem verlangt. Zusätzlich muss man im Heimatland eine Krankenversicherung abgeschlossen haben, die dem norwegischen Gesetz entspricht.
Alle Bestimmungen, und was man sonst noch so wissen muss zu den Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen kann man am besten auf der Seite der norwegischen Botschaft nachlesen.

Urlaubsanspruch

In Norwegen haben alle Angestellten das Recht auf 25 Ferientage im Jahr, Angestellte die über 60 Jahre alt sind haben den Anspruch auf weitere 6 Ferientage. Als Ferientage werden nur Arbeitstage, keine Sonntage und Feiertage, gerechnet.
Alle Angestellten haben darüber hinaus ein im Gesetz verankertes Recht auf 3 Wochen zusammenhängende Ferien (18 Ferientage) in der Hauptferienzeit zwischem 1.Juni bis 30. September
Das Urlaubsgeld (feriepenger) beträgt 12% von dem im Jahr zuvor erarbeitetem Gehalt. Hat man im vergangenen Jahr noch nicht oder eben noch nicht in Norwegen gearbeitet, hat man dementsprechend keinen Anspruch auf feriepenger. Hat man z.B. ein halbes Jahr in Norwegen gearbeitet, hat man Anspruch auf das halbe feriepenger.
Wenn man Urlaub nimmt gibt es in dieser Zeit keinen Lohn sondern man erhält statt dessen feriepenger. Hat man noch kein Recht auf feriepenger erarbeitet, hat man trotzdem den vollen Urlaubsanspruch, jedoch muss man dann Wissen das es sich dann um unbezahlten Urlaub handelt.
Das feriepenger welches man im Jahr zuvor erarbeitet hat, wird mit dem letzten normalem Gehalt vor den Ferien ausbezahlt. Wenn man seinen vollen feriepenger Anspruch im Vorjahr erarbeitet hat handelt es sich dabei in der Regel um ein nette Sümmchen. Das feriepenger muss vom Arbeitgeber spätestens eine Woche vor Ferienantritt des Arbeitnehmers ausgezahlt werden.
Alle wichtigen Infos und Regelungen zum Thema Urlaub und Urlaubsgeld findet man im hier: externer LinkLov Data - Ferieloven

Anerkennung von Berufsqualifikationen

Leider gibt es bei der gegenseitigen Anerkennung von Berufsqualifikationen nicht immer eine einheitliche Regelung. Im Prinzip wird eine in einem EWR-Staat erteilte Berufszulassung in den anderen Staaten ohne weitere Prüfungen fachlicher oder sonstiger Art anerkannt. Es gibt jedoch Ausnahmen. Zunächst einmal ist zu unterscheiden zwischen Ausbildungen, die mindestens drei Jahre dauern und solchen, die weniger als drei Jahre dauern, da für einzelne Berufe bestimmte Mindestanforderungen in bezug auf die Ausbildungsdauer oder Praktika gelten. Dann können auch die Arbeitgeber besondere Qualifikationen verlangen, die über die Zulassungsanforderungen hinausgehen, z.B. Sprachkenntnisse oder zusätzliche Berufserfahrung. Auf jeden Fall sollte man sich im Zweifelsfall immer bei den zuständigen Stellen (Bildungsministerium, Berufsverbände usw.) erkundigen, für welche Berufe eine Zulassung erforderlich ist, welche zusätzlichen Bedingungen erfüllt sein müssen usw.
Wer unsicher ist ob seine Ausbildung anerkannt wird oder weitere Infos braucht, sollte unbedingt bei externer LinkNokut, vorbei schauen.
In Medizinischen Berufen ist es zumeist notwendig, dass man für seine im Ausland absolvierte Ausbildung eine norwegische Anerkennung (godkjenning) beantragt. Alle Informationen und Anträge dazu findet man hier externer LinkStatens autorisasjonskontor for helsepersonell

Selbstständigkeit in Norwegen

Wenn man sich selbstständig machen will, braucht man eine Beschreibung der Tätigkeit sowie Belege dafür, dass die zuständigen Behörden diese Tätigkeit genehmigen werden. Voraussetzung ist auch, dass es sich um eine dauerhafte Tätigkeit handelt.
Weitere Infos und hilfen findet man hier externer LinkBedin und hier externer LinkFirma.no.
Beide Seiten sind in norwegisch gehalten, jedoch sollte man die Sprache gut genug können um mit diesen Seiten klarzukommen, wenn man sich in Norwegen selbstständig machen will. Man bekommt dort alle notwendigen und wichtigen Infos die man braucht, um sich in Norwegen selbstständig zu machen. Neben vielen Informationen wird auch gezielte Hilfestellung angeboten und man bekommt auf alle Fragen sachkundige und kompetente Antworten.
Wenn man sich in Norwegen als Selbstständiger niederlassen will, muss man sich beim externer LinkBrønnøysundregistrene mit seinem Gewerbe registrieren. Welche Arten von Gewerben es gibt (Gmbh, AS...) und was da jeweils zu beachten ist, wird auf den Seiten von Bedin und Firma.no sehr ausführlich beschrieben. In vielen Bereichen reicht es nicht ein Gewerbe anzumelden, sondern man braucht auch noch eine Reihe von Genehmigungen und Bescheinigungen. Eine Übersicht aller Genehmigungen und Konzessionen, wo und wie man sie erhält findet man im externer LinkBrønnøysundregistrene - Oversikt over tillatelser
Ein weiterer wichtiger Punkt sind Steuern und Abgaben, alle Informationen die da für Selbstständige wichtig sind findet man hier externer LinkSkatteetaten - Virksomhet.
Die gängigste Geselschaftsform ist die AS (Aksjeselskap) die relativ leicht zu etablieren ist. Alles was man braucht ist sind ein Gewerbeplan, den Eintrag ins Brønnøysundsregistre, einen norwegischen Revisor und ein Eigenkapital von 100000 NOK.
Eine gute Adresse an die man sich als Deutscher wenden kann ist die externer LinkDeutsch Norwegische Handelskammer. Neben Informationen und Hilfestellungen für deutsche Unternehmer werden dort auch Sprachkurse angeboten.

Ausbildung in Norwegen

Manch einer träumt, davon die Koffer so bald wie möglich zu packen und spielt dem Gedanken, so früh wie möglich nach Norwegen zu ziehen und dann dort eine Berufsausbildung zu machen. Davon würde ich aber in den allermeisten Fällen wirklich abraten!
Schul- und Ausbildungssysteme in Norwegen sind völlig anders aufgebaut und strukturriert als z.B. das Schulwesen in Deutschland. In Norwegen sind die letzten Schuljahre schon berufsorientiert ausgelegt und die Schüler bekommen schon berufs- und fachbezogenen Unterricht, der für den weiteren Ausbildungsweg wichtig ist. In den berufsfachlichen Zweigen der Schule (siehe auch hier) verlassen die Schüler nach die weiterführende Schule mit einem Gesellenbrief.
Ein weiterer Punkt ist, dass viele Berufe die in anderen Ländern Ausbildungsberufe sind, in Norwegen mit einem Studium an einer Fachhochschule verbunden sind. Und da durch das andere Schulsystem norwegische Schüler in ihren letzten Schuljahren schon berufsbezogenen Unterricht hatten sind dann auch weiterführende Ausbildungen dementsprechend darauf aufgebaut, so dass jemand, der nicht in Norwegen zur Schule gegangen ist dort einige Lücken haben wird, die nur schwer zu stopfen sein werden.
Als dritter Punkt kommen die Kosten. Berufe die in anderen Ländern Lehrberufe sind, werden im Rahmen einer Ausbildung erlernt in der man dann auch schon ein kleines Gehalt bekommt. Wenn man den selben Beruf in Norwegen an einer Hochschule erlernt, muss man für diese Ausbildung bezahlen und das kostet meist eine ganze Stange Geld.
Und als letzter, aber sehr wichtiger Punkt ist die Sache mit der Sprache! Um in Norwegen eine Ausbildung zu absolvieren muss man fließend norwegisch sprechen und schreiben können. Ansonsten wird man sehr große Probleme haben um überhaupt dem Lehrstoff folgen zu können.
All diese Punkte sprechen eigentlich eine recht deutliche Sprache und ich empfehle deswegen, lieber erst eine Ausbildung zu machen und die Zeit zu nutzen um norwegisch zu lernen um danach nach Norwegen zu kommen.

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