Wohneigentum in Norwegen

Die meisten Leute die nach Norwegen ziehen, stehen irgendwann vor der Entscheidung ob sie sich ein Haus oder eine Wohnung in Norwegen kaufen sollen, oder weiterhin zur Miete leben. Gerade wenn man sich dazu entschieden hat auf lange Sicht in Norwegen zu bleiben, ist der Wunsch nach Wohneigentum groß. Andere wiederum haben den Traum, auch wenn sie nicht in Norwegen leben, sich dort aber gerne eine Hytte kaufen würden.
Und in beiden Fällen taucht die selbe Frage auf: Wie geht das eigentlich, Wohneigentum erwerben in Norwegen?
Zuerst einmal die Sache mit der Konzession. Diese musste man immer beantragen, wenn man in Norwegen Eigentum erwerben wollte.
Ab 01.01.2004 tritt jedoch eine Änderung im Konzessionsgesetz in Kraft. Die in Kap.3, § 5a des norwegischen Konzessionsgesetzes festgeschriebene Regel für Auslandswohnende ist aufgehoben worden und entfällt. Jeder in Norwegen lebende Ausländer und auch Auslandsansässige kann in Norwegen eine Ferien- oder Wohnimmobilie erwerben und ist damit in einer Gebotsrunde dem norwegischen Käufer gleichgestellt. Bebautes Eigentum bis zu einer Grundstücksgröße von 100.000 m², davon nicht mehr als 20.000 m² voll bewirtschaftete, landwirtschaftliche Flächen, sind ab diesem Datum konzessionsfrei. Unbebaute Grundstücke dürfen nach wie vor nicht größer als 2000 m² sein und müssen öffentlich als Baugrundstück genehmigt sein. Beim Erwerb von Forst- und Landwirtschaftseigentum mit einer Totalfläche von 100.000 m² oder dort, wo mehr als 20.000 m² voll bewirtschaftet sind, ist der Erwerb davon abhängig, dass der Käufer binnen einem Jahr das Eigentum als festen Wohnsitz bezieht und diesen mind. 5 Jahre bewirtschaftet. Der Erwerber kann auch die Bewirtschaftungspflicht erfüllen, indem die Wirtschaftflächen mind. 10 Jahre an einen anderen landwirtschaftlichen Besitz verpachten werden.
Um ein geeignetes Haus oder eine Wohnung zu finden, sollte man sich den Imobilienmarkt der Norwegischen Zeitungen und Maklerbüros in Ruhe durcharbeiten, die entsprechenden Adressen dazu findet ihr hier bei meinen Umzugslinks. Die Auswahl ist wirklich groß und dort findet man Objekte in allen Größen und Preisklassen. Neben einer Beschreibung findet man dort auch Angaben zur Beschaffenheit, Lage und Größe des Hauses, sowie meist auch einen Termin für eine "visning" (Besichtigung) Dort kann man einfach hingehen, es ist keine Anmeldung oder Terminabsprache nötig und sich das Haus ansehen und wenn man will ein Gebot abgeben.
In Norwegen ist es üblich durch eine "Budrunde" Wohneigentum zu erstehen, wobei man ein Gebot auf das gewünschte Objekt abgibt. Dazu gibt man als Käufer ein schriftliches Kaufgebot ab. Dieses Gebot unter Nennung einer Gebotsfrist ist bis zum Ablauf der gesetzten Frist bindend und entspricht der rechtliche Form eines vorläufigen Kaufvertrages. Wichtiges Detail, der Kaufinteressent kann nicht von seinem abgegebenen Gebot zurücktreten, dieses ist bindend bis zu dem vom Käufer genannten Verfallstermin. Die Angaben zum Verkaufsobjekt basieren auf Angaben des Verkäufers auf Informationen aus den notwendigen Grundstücksdokumenten (unabhängiges Wertgutachten – Eigenerklärung der Verkäufers). Der Käufer ist nach norwegischem Gesetz verpflichtet, möglichst mit einem Bausachverständigen, die im Verkaufsexposé gemachten Angaben genau zu prüfen, bevor ein Gebot abgegeben wird. Dem Verkäufer steht es frei, jedes Gebot, unabhängig von der Höhe, zu akzeptieren oder zu verwerfen.
Ist ein Gebot vom Verkäufer akzeptiert, so ist dieses für beide Vertragspartner bindend und entspricht einem vorläufigen Kaufvertrag. Die Mitbieter werden darüber informiert. In Norwegen besteht beim Kauf / Verkauf von festem Eigentum keine Rücktrittsfrist/ (Rücktrittsrecht). Der norwegische Kaufvertrag ist von beiden Vertragsparteien zu unterschreiben, zugleich kann je nach Vereinbarung im Kaufvertrag eine 10 % - 30 % Anzahlung auf ein norwegisches Notaranderkonto fällig werden.
Manchmal ist der in der Anzeige geforderte Preis für ein Haus von vornherein sehr/zu hoch. In so einem Fall kann man auch ein niedrigeres Gebot abgeben. Es liegt dann beim Hauseigentümer es anzunehmen oder nicht. Ist ihm der Preis zu niedrig und er bekommt kein höheres Gebot, bleibt er unter Umständen auf seinem Haus sitzen.
Das erworbene Eigentum kan gleich nach Kaufvertragsunterschrift und vollständiger Entrichtung des Kaufpreises sowie aller Gebühren übernommen werden.
Der Verkäufer stellt dem Erwerber nach Vertragsunterschrift einen Kaufbrief aus, der amtlich gesiegelt, im Grundbuch eingetragen und als amtliches Dokument dem Käufer übersandt wird.
Neben dem eigentlichen Kaufpreis kommen immer noch einige Nebenkosten hinzu. Das beginnt mit der Tinglysningsgebyr (Grundbucheintrag) und der Eigentumssteuer, welches jährlich zu entrichten ist. Des weiteren kommen Kosten für Wasser, Abwasser und Müllabfuhr hinzu, welche stark von Gemeinde zu Gemeinde variiern können.
Des weiteren fallen Kosten für die Gebäudeversicherung an. Wenn man den Kauf über eine Bank in Norwegen finanziert ist so eine Versicherung meist bindend vorgeschrieben.
Beim Haus- bzw. Hüttenkauf sollte man überprüfen oder überprüfen lassen ob das Anwesen schuldenfrei ist oder ob "alte" Pfandverschreibungen oder Banksicherheiten auf dem Haus liegen. Denn als neuer Eigentümer ist man dann dafür verantwortlich. Amtlich bekräftigte Pfandobligationen folgen dem Haus, darum sollte man untersuchen, ob solche auf dem Haus stehen.
Gerade wenn man sich in der Thematik Haus- oder Wohnungskauf nicht ganz "zuhause" fühlt sollte man sich fachkundig helfen lassen und vor dem Vertragsabschluss für die ganzen offiziellen Dokumente auch einen Rechtsanwalt hinzuziehen.
In Norwegen ist es nicht üblich einen Makler, zu beauftragen wenn man Wohneigentum sucht, sondern man bedient sich eines Maklers wenn man Wohneigentum verkaufen will. Wenn man selber Wohneigentum kaufen will, sollte man also unbedingt die Angebote bei den norwegischen Maklerfirmen prüfen. Wichtig ist dabei auch, wenn man als Käufer zu einem Makler geht und dort ein passendes Heim ersteht, fallen keine extra Gebühren an, die Maklerkosten trägt der Verkäufer der den Makler beauftragt hat.
Etwas anders sieht das aus wenn man z.B. nicht in Norwegen wohnt und dort eine Ferienimobilie kaufen will. In dem Falle kann es lohnenswert sein eine Maklerfirma damit zu beauftragen, evtl auch eine im Heimatland die sich auf solche Dinge spezialisiert hat. Das kostet zwar dann einiges, aber gerade, wenn man mit der Norwegischen Sprache nicht so fit ist, ist diese Investition empfehlenswert.
Was die Finanzierung angeht, wenn man Wohneigentum kaufen will, so haben die meisten Leute nicht soviel Bares unter der Matraze liegen. Die meisten werden also in irgendeiner Form eine Finanzierung benötigen. Wenn man in Norwegen lebt und eine festen Arbeitsvertrag hat, ist das auch kein großes Problem. Viele Kreditinstitute haben jedoch bei so großen Krediten an Ausländern die Bedingung, dass diese mindestens seit 3 Jahren in Norwegen leben und arbeiten.
Bevor man eine Finanzierung abschliesst sollte man sich umgehend bei den verschiedenen Banken, Husbanken und der Lånekasse informieren, welche Möglichkeiten es gibt. In Norwegen gibt es recht gute Finanzierungsangebote für das erste Eigenheim, oft sogar ohne Eigenkapital. Klar ist natürlich, je mehr Eigenkapital man hat, um so leichter bekommt man eine Finanzierung von der Bank und um so besser sind die Bedingungen. Es lohnt sich also wirklich, sich für dieses Thema viel Zeit zu nehmen.

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