Norwegische Kunst

Allgemeines

Für die norwegische bildende Kunst sind die wesentlichen Einflüsse aus dem Ausland gekommen. Norwegens periphere Lage ist eine von mehreren Erklärungen für dieses Phänomen. Auf der anderen Seite haben die Norweger im allgemeinen ­ und die norwegischen Künstler im besonderen ­ immer einen neugierigen Blick auf die Außenwelt geworfen. Unter anderem mussten sie ins Ausland reisen, um zu lernen und sich Anregungen zu holen. In den 400 Jahren unter dänischer Herrschaft fehlte es Norwegen an politischem und wirtschaftlichem Fundament für eine unabhängige Kunst von Bedeutung ­ und das, obwohl die Volkskunst blühte, indem sie sich wie schon immer Anregungen von außen holte.
Zur Zeit der Erschütterungen durch die Napoleonischen Kriege dann wurde das neue Norwegen geschaffen ­ zunächst zwar in einer hundertjährigen Union mit Schweden, in hohem Maße jedoch gegründet auf mächtigen patriotischen Ideen. Die norwegische
Auffassung von der Geschichte des Landes lief im wesentlichen darauf hinaus, daß die Zeit unter dänischer Herrschaft eigentlich inexistent gewesen war. Somit ließ Norwegen sich als altes Land und gleichzeitig als junge Nation begreifen. Daraus resultierte unter anderem die Vorstellung, norwegisches Kulturleben im modernen Sinne sei erst im vorigen Jahrhundert entstanden, wobei die Traditionen jedoch bis weit zurück in frühere Jahrhunderte reichten.
Obwohl sich die Norweger ihres Kulturerbes aus vergangenen Zeiten bewußt waren, bewirkte das nationale Erwachen nach den Jahrhunderten unter dänischer Herrschaft, daß J.C. Dahl (1788-1857) als Vater der norwegischen Malerei und Eckpfeiler des Kulturlebens des Landes betrachtet wurde, obwohl er die meiste Zeit seines Lebens in Deutschland verbracht hatte. Erst in den 1880er Jahren gewann die norwegische Welt der Kunst an Breite, als nämlich die Maler der Realistischen Schule nach Norwegen zurückkehrten. Ihre Ideale hatten sie aus Paris. Mit Edvard Munch (1863-1944) und Gustav Vigeland (1869-1943) bekam Norwegen demgegenüber zwei bildende Künstler, die in der europäischen zeitgenössischen Kunst ganz vorn lagen. Sie standen jedoch lange Zeit neben der norwegischen Welt der Kunst, so daß kaum sie es waren, die für die Entwicklung der Kunst ihres Heimatlandes unmittelbar am meisten zu sagen bekamen.
Anfang der 80er Jahre dieses Jahrhunderts wuchs in international das Interesse für norwegische zeitgenössische Kunst, was teilweise auf das Erscheinen relativ vieler guter norwegischer Künstler zurückzuführen war. Das wiederum konnte in Zusammenhang damit gesehen werden, daß Optimismus, Energie und Aktivität in der norwegischen Kunst zugenommen hatten. Die Künstler bekamen in zunehmendem Maße staatliche Unterstützung , was die experimentierenden künstlerischen Äußerungen förderte und die Künstler in die Lage versetzte, sich frei und unabhängig an der öffentlichen Kunstdebatte zu beteiligen.
Die Entdeckung der norwegischen Landschaft bildete die Grundlage für die Malerei Norwegens im vorigen Jahrhundert. In den letzten fünzehn bis zwanzig Jahren hat sich die Fotografie zu einem der interessantesten Bestandteile der norwegischen bildenden Kunst entwickelt, darüber hinaus beginnen sich auf Video und Computer basierte Ausdrucksformen durchzusetzen.

Wichtige norwegische Künstler

Edvard Munch
Der Maler und Graphiker Edvard Munch, einer der bedeutendsten Wegbereiter des Expressionismus, wird am 12. Dezember 1863 in Norwegen als Sohn eines Militärarztes geboren. Munch durchlebt eine schwere Kindheit, die durch die Schwermut seines Vaters und vor allem durch den Tod seiner Mutter 1868 und dem seiner fünfzehn Jahre alten Schwester Sophie geprägt ist. In seinen späteren Werken tauchen immer wieder Bilder mit den Themen dieser existentiellen Grenzerfahrungen auf. Als Schüler der technischen Schule in Oslo entdeckt er seine Liebe zur Malerei und nimmt, nachdem ihm anfangs noch vorschwebte Architekt zu werden, ab 1881 Zeichenunterricht bei J.Middelthun. Munch durchlief ein Jahr auf der Technischen Schule und wandte sich dann mit großem Ernst der Kunst zu. Er studierte die Alten Meister, folgte dem Unterricht in Aktzeichnen an der Königlichen Zeichenschule und erhielt eine zeitlang Korrektur von dem führenden Naturalisten Norwegens, Christian Krohg. Seine frühen Arbeiten prägt ein vom Französischen inspirierter Realismus, und bald schon fiel er als großes Talent auf.
Nach einigen Ausstellungen bekommt er 1889 sein erstes Staatsstipendium in Paris und verbringt somit die nächsten drei Jahre in der Hauptstadt Frankreichs. In dieser Zeit wird er vor allem von der impressionistischen Formensprache seiner Zeitgenossen beeinflußt.
Zwischen 1889 und 1907 lebte Munch zumeist in Paris und Berlin. Wegen der schockierenden Darstellung existenzieller Grenzerfahrungen auf Bildern wie Angst, Melancholie und Zwei Menschen, die er im November 1892 im Berliner Architekturhaus ausstellte, kam es zum Skandal, der den Verein Berliner Künstler spaltete: die Berliner Sezession entstand. 1899 schuf er die erste von insgesamt sechs Fassungen von Mädchen auf der Brücke. Weitere Variationen des Themas hängen u. a. im Wallraff-Richartz-Museum in Köln und in der Hamburger Kunsthalle. 1902 stellte Munch in der Berliner Sezession unter der Überschrift Lebensfries 22 Gemälde aus, zu denen auch sein wohl bekanntestes gehört: Der Schrei!
Hauptinteresse Munchs sind die Eindrücke der Seele und nicht die des Auges.
Der Schrei wird häufig als das erste expressionistische Bild bezeichnet und ist das extremste Beispiel für Munchs "Seelenmalerei". Sein Ausdruck beruht in hohem Maße auf den Gestaltungsmitteln, den Farben und der Linienführung. Die Szene ­und besonders die Vordergrundfigur ­ ist grotesk verzeichnet und in Farben wiedergegeben, die nicht der äußeren Wirklichkeit entsprechen.
1907 mußte er nach einem Nervenzusammenbruch in eine Kopenhagener Klinik eingeliefert werden. 1909 kehrte er nach Norwegen zurück. Zunächst ließ er sich in Kragerø, einer Küstenstadt im Süden des Landes, nieder. Hier malte er unter anderem mehrere klassische Winterlandschaften und stürzte sich mit Eifer in den Wettbewerb um die Ausschmückung des neuen Festsaals der Osloer Universität.
1916 erwarb Munch den Besitz Ekely bei Oslo. Auf Ekely lebte Munch in zunehmend selbstgewählter Isolation, spartanisch, nur von seinen Bildern umgeben. Er war ständig produktiv, trennte sich aber nur widerwillig von "seinen Kindern". Zu einer Reihe von Ausstellungen im In- und Ausland wurden Bilder ausgeliehen.
Am 23. Januar 1944 stirbt er in seinem Haus in Ekely und vermacht seinen Nachlaß samt Werken der Stadt Oslo.
Zu Munchs umfangreichen Werk gehören außerdem zahlreiche Radierungen, Lithographien und Holzschnitte, die einen nachhaltigen Einfluß auf die Druckgraphik des deutschen Expressionismus ausübten.
Gustav Vigeland
Der Künstler Gustav Vigeland wurde in Mandal in Südnorwegen geboren. Sein Vater war Schreiner und hatte eine eigene Werkstatt. Schon als Junge zeige sich Vigelands außergewöhnliche Fähigkeiten beim Schnitzen, und als er 15 Jahre war kam er in eine Schreinerlehre in Oslo. Abends ging Vigeland auf die Kunstschule, und seine freie Zeit nutzte zu Besuch in Skulpturenmuseum. Bald reifte in ihm der Wunsch Bildhauer zu werden. Aber in 1886 starb der Vater, und Vigeland musste heim reisen und helfen die Familie zu ernähren. Erst zwei Jahre später kommt er zurück in die Hauptstadt.
Die Anfangszeit war schwierig, bis er mit einem Stapel Zeichungen Brynjulf Bergslien aufsuchte. Bergslien wurde sofort aufmerksam auf Vigelands Talent und schon im selben Jahr debütierte Vigeland bei der Herbstausstellung mit der Skulpturengruppe Hagar und Ismael.
In den folgenden Jahren reiste Vigeland viel und verbrachte längere Zeit als Stipendat in Kopenhagen und in Paris.
In 1894 hatte Vigeland seine erste eigene Ausstellung, und die nächste folgte in 1899. Die Kritik war gemischt, aber er hatte sich einen Ruf als einer der vielversprechensten Bildhauer des Landes erworben. Dennoch war es Vigeland noch nicht möglich als frei schaffender Künstler zu leben, und er begann deshalb in 1897 als Bildhauer bei den Restaurierungsarbeiten am Nidarosdom.
Um die Jahrhundertwende schuf er vielbeachtete Protätbüsten von bekannten Norwegern, wie zum Beispiel von Henrik Ibsen.
Vigelands Name ist untrennbar verbunden dem große Skulptur- und Parkprojekt im Frognerparken, weswegen dieser Park auch als Vigelandspark bekannt wurde. In ca. 40 Jahren Arbeit erschuf er die Skulpturen und schuf auch selbst den architektonischen Rahmen.
Nach 1899 machte Vigeland keine Einzelausstellungen mehr, abgesehen von zwei mal, als er sein Atelier der Zuhörerschaft öffnete: in 1916 auf Hammersborg und in 1930 Frogner.
Olaf Gulbransson
Er war ein norwegischer Maler und Zeichner von Weltruf. Von 1885 bis 1892 besuchte er die Kunsthandwerksschule in Christiana (heute Oslo). Im Jahre 1900 ging er für ein Jahr nach Paris. Nach seiner Rückkehr gab er in Christiania ein Album mit zwei Dutzend Karikaturen heraus, das ihn bekannt machen sollte. 1902 kam Gulbransson nach München. Hier wurde er ständiger Mitarbeiter bei der politisch-satirischen Wochenschrift "Simplicissimus", die sich sehr pointiert mit den gesellschaftlichen Zuständen im deutschen Kaiserreich auseinandersetzte. Gulbransson konnte sich hier als bedeutendster Karikaturenzeichner seiner Zeit profilieren. Er besaß die Fähigkeit, in einer unverwechselbaren, bis aufs äußerste vereinfachten Technik die Schwächen einer Person aufzuzeigen. Vor allem die unfreiwillige Komik des Bürgers, der sich im nationalistischen Hochmut und mit spießerhafter Engherzigkeit zu aufgeblasenen Urteilen aufgerufen fühlte, reizte Gulbranssons Spottlust. Dabei wurde er nie verletzend grob. Immer blieb seinen Gestalten, die er gern fettleibig und trotzdem elegant darstellte, ein Rest liebenswürdiger Menschlichkeit. Olaf Gulbransson starb 1958 am Tegernsee.
Theodor Kittelsen
Der im Jahre 1857 in Kragerø geborene norwegische Zeichner Theodor Kittelsen wird nicht umsonst oft als Vater der Trolle umschrieben. Durch seine Naturdarstellungen und durch seine Illustrationen von Märchen und Sagen, besonders von Trollen wurde er in Norwegen bekannt. Kittelsen lernt zunächst Maler und Uhrmacher. Später wird sein Talent entdeckt und er nimmt Unterricht an der Kunstschule in Christiania. Er studierte später in Paris und München. Ab 1879 musste er sich sein Geld als Zeichner für deutsche Zeitungen und Zeitschriften selbst verdienen. 30 Jahre alt (1887) zog es ihn nach Hause, die beiden kommenden Jahre verbrachte er auf den Lofoten. Zurück in Norwegen entdeckte er später die Natur als große Inspiration. Kittelsen beginnt hier Texte zu seinen Zeichnungen selbst zu verfassen. Kittelsens Stil ist irgendwo zwischen (Neo-)Romantik und Naiver Malerei einzuordnen. Als nationaler Künstler wird er zwar in Norwegen geschätzt, hat jedoch international wenig Beachtung gefunden. So ist sein Name in kaum einem Malereilexikon verzeichnet.
Ende des vergangenen Jahrhunderts hielt Kittelsen die Trolle und anderen Gestalten der Norwegischen Wälder in seinen Büchern fest. Er zeichnete sie alle: den einäugigen Waldtroll, den heimtückischen Nøkk und den Bergtroll, dessen fünf Köpfe aneinanderschlagen.
Der norwegische Maler und Schriftsteller ist im Jahr 1914 verstorben.

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