Norwegische Literatur

Allgemeines

Die norwegische Literatur, obwohl noch jung, kann auf eine achtenswerte Geschichte zurückblicken. Und die Zukunftsaussichten an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend sind vielversprechend. Vor der Jahrhundertwende und bis in die Mitte unseres Jahrhunderts hinein haben sich Namen wie Henrik Ibsen, Knut Hamsun und Sigrid Undset Weltgeltung verschaffen.
Man darf nicht vergessen, dass die Geschichte des modernen Romans in Norwegen erst 150 Jahre alt ist. In dieser Zeitspanne hat die norwegische Literatur ihren Wesenszug behalten. Das muss nicht unbedingt ein Vorteil sein, denn das Land hat sich in der Zwischenzeit der Außenwelt geöffnet, ist internationaler und multikultureller geworden. Das ist ein Glück. Aber wegen der besonderen Eigenart der meisten norwegischen literarischen Werke werden nur wenige in fremde Sprachen übersetzt.
Hauge und Jacobsen gelang, was nur wenigen Künstlern vergönnt ist, nämlich noch zu Lebzeiten im eigenen Land anerkannt zu werden. Diese und einige andere wenige Lyriker erreichten die Anerkennung, die den Poeten früherer Generationen dargebracht wurde. Zu ihnen gehört Lars Saabye Christensen mit Einzelausgaben, und mit Gedichten. Sie haben daran mitgewirkt, dass die Verständnisbereitschaft des norwegischen Publikums der Lyrik gegenüber eine neue und spannende Wendung genommen hat: es strömt in Scharen zu den Dichterlesungen.

Schriftsteller wie Knut Faldbakken, Karsten Alnæs und Ketil Bjørnstad schrieben in den 70er Jahren moderne, psychologische Romane, in denen zeittypische Konflikte dargestellt und erörtert wurden.
Bjørg Vik, die sich großer Beliebtheit bei den Lesern erfreut, veröffentlichte in den 1980er und 90er Jahren außer Novellen, deren Themenarsenal weniger vom alten Aufruhr, dafür desto mehr von Menschenkenntnis geprägt ist, drei Bände über Kindheit und Jugend des Mädchens Elsie Lund in Oslo
Man kann diskutieren, ob die Schriftsteller von ihrer Epoche geprägt werden oder sie prägen.
Jedenfalls haben sich in den 80er Jahren sehr viele jüngere Verfasser in der Gattung der Kriminalliteratur versucht. Ein Jahrzehnt später zogen die Kolleginnen nach.
Jon Michelet führte Mitte der siebziger Jahre den urbanen, politischen Kriminalroman in Norwegen ein. Sein (Anti-)Held, der Osloer Kommissar Vilhelm Thygesen, bekämpft schlimme Fälle von politischen und Wirtschaftsverbrechen. Auch Kjartan Fløgstads zwei Kriminalromane aus der gleichen Zeit stehen unter dem des amerikanischen Detektivromans. Dagegen machte Gunnar Staalesen seinen Bergener Privatdetektiv Varg Veum etwas sentimentaler als seine amerikanischen Vorbilder. Er trinkt Aquavit statt Whisky, während er auf neue Kunden wartet und es in Bergen wie immer regnet. Im Verlauf der 80er Jahre wurde die Kriminalliteratur salonfähig und fand in die schöngeistigen Buchgemeinschaften Eingang. Eine ganze Reihe jüngerer Schriftsteller machte sich einen Namen als Kriminal- und als "gewöhnliche" Romanverfasser, darunter Ingvar Ambjørnsen, Lars Saabye Christensen, Roy Jacobsen und Jo Nesbø.
Kim Småge war die erste Frau, die sich 1983 mit ihrem Erstlingswerk Nachttauchen" in diesen Männerchor mischte und dabei Stoff und Stil aus einer bewusst weiblichen Perspektive wählte. Danach kam sie mit Geschichten aus Trondheim und Mittelnorwegen heraus. Aber erst in den neunziger Jahren kann man von einer Autorinnenwelle sprechen. Anne Holt, Pernille Rygg und Kjersti Scheen wenden einen Kunstgriff an, der international im Trend liegt: eine Heldin beziehungsweise eine Detektivin. Unni Lindell und Karin Fossum halten an männlichen Hauptpersonen fest. Fossums drei Romane über Kommissar Konrad Sejer bekamen sehr gute Kritiken, in denen die Autorin mit den größten britischen Krimiköniginnen verglichen wird.
Man hört manchmal, neuere norwegische Kriminalromane erinnerten an "moderne Heimatdichtung", weil sie so ortsgebunden seien, besonders an Oslo, Bergen und Trondheim.
Dank dem Lokalkolorit wirkt das eigentlich importierte Genre sehr, sehr norwegisch.
Jan Kjærstad kam 1979 mit seiner ersten Novellensammlung heraus, "Kloden dreier stille rundt" (Still dreht sich die Welt). Er gilt in gewisser Weise als Prototyp des Schriftstellers der 80er Jahre: kenntnisreich, auf neue Medien eingestellt, sprachbewusst. Auch bei ihm ist der Wunsch sichtbar, eine Gesamtdarstellung des Norwegischen", der Lebensweise und Gewohnheiten zu liefern. Kjærstad hat ein großes Publikum im Ausland, was die Verleihung des Henrik-Steffens-Preises 1998 zeigte. Diese begehrte Auszeichnung wird an Skandinavier vergeben, die etwas Besonderes zur Bereicherung des europäischen Kultur- und Geisteslebens beigetragen haben. In der Laudatio wurde Jan Kjærstad einer der wichtigsten Schriftsteller Norwegens genannt, aus dessen Hand bedeutende Romane, Novellen und Essays stammen.
Die beliebteste und meistgelesene Verfasserin ist ohne Zweifel Herbjørg Wassmo, preisgekrönt und in viele Sprachen übersetzt. Sie verbindet sie eine altmodische, solide Erzählkunst mit psychologischer Einfühlung besonders in die weibliche Seele.
Es gibt noch viele ausgezeichnete und beliebte Erzähler, sowohl unter den jüngeren wie Erik Fosnes Hansen und Roy Jacobsen als auch unter den älteren wie Ebba Haslund und Finn Carling. Erik Fosnes Hansens europäischer Katastrophenroman Choral am Ende der Reise", in dem die Bordkapelle der Titanic die Hauptrolle spielt, hat in der ganzen Welt Erfolg.
In den letzten Jahren war es wohl jedoch Jostein Gaarder, der international die breiteste Aufmerksamkeit erhalten hat. Sein Roman "Sofies Welt" liegt heute in 44 Sprachen vor und wurde bis jetzt in 15 Millionen Exemplaren verkauft. 1995 war es das meistverkaufte schöngeistige Buch der Welt.
Das Interesse für die norwegischen Gegenwartsliteratur hat im vergangenen Jahrzehnt merkbar zugenommen, vielleicht weil ihr Offenheit, Chaos und Fantasie bescheinigt werden.

Wichtige norwegische Schriftsteller

Henrik Ibsen
Der wohl größte norwegische Dramatiker wurde in Skien in Südnorwegen geboren. Er besuchte die Mittelschule seiner Heimatstadt und machte in Grimstad eine Apothekerlehre. 1850 begann er in Christiania ein Medizinstudium. Aber schon ab 1851 arbeitete er als Dramaturg am Theater der Stadt Bergen, dann wurde er zum künstlerischen Leiter an das Theater in Christiania berufen. Im Frühjahr 1864 verließ lbsen Norwegen und lebte viele Jahre lang im Ausland, u.a. in Rom, Dresden und München. Den Rest seines Lebens verbrachte der Dichter wieder in Christiania, wo er 1906 starb. Ilbsen, der schon in jungen Jahren als Theaterdichter hervortrat, begann mit dem Römerdrama "Catilina" (1849). Die Bühnenwerke der folgenden Jahre entstanden unter dem Einfluß der Nationalromantik, deren konservative Züge Ibsen bekämpfte. Im Anschluß an historische Dramen und Ideendramen schuf Ibsen die neue Gattung des 'Gesellschaftsstücks', das mit radikaler Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen den Beginn des modernen Dramas markiert. In dem Stück "Stützen der Gesellschaft" und den nachfolgenden Werken enthüllte der Dichter an Stoffen aus dem Alltag die Lebenslüge, die meist verdeckte Brüchigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen. Mit dem Ehedrama "Nora oder ein Puppenheim", in dem die Frau sich als eine dem Mann gleichwertige Partnerin behauptet, gelang Ibsen dann der Durchbruch zum Weltruhm. Das Stück löste - wie auch das spätere Ehedrama "Die Gespenster" in den nordischen Ländern heftige Diskussionen aus. In dem Schauspiel "Hedda Gabler" steht abermals eine Frauengestalt im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Mit seinem Schaffen übte Ibsen eine starke Wirkung auf die Dramatik des ausklingenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts aus. Zu dem in Italien entstandenen Schauspiel "Peer Gynt" (1867), dessen Schauplätze u.a. das Gudbrandsdal und das Hochgebirge sind, komponierte Edvard Grieg eine Schauspielmusik.
Bjørnstjerne Bjørnson
Der Schriftsteller und Journalist Bjørnstierne Bjørnson erblickte in Kvikne (Østerdalen) das Licht der Weit. Schon während des Studiums in Christiania (heute Oslo) begann er Rezensionen und Feuilletons zu schreiben. Er war sozusagen der 'literarische Sprecher' seiner Generation. Bjørnson gehörte zu den großen Realisten der norwegischen Literatur und propagierte eine Kunstauffassung, die Natur und Dichtung als Einheit betrachtete, fern von Ästhetizismus und Radikalismus. Sehr erfolgreich waren seine Bauerngeschichten wie "Synnove Solbakken" (1857), "Arne" (1868) und „En glad gut“ (1860). Der Dichter entfaltete auch eine rege journalistische Tätigkeit und hatte damit großen Einfluß und Erfolg. Zu allen Fragen der Gegenwart bezog er Stellung. Er war ein Fürsprecher der Volkshochschulbewegung. Er setzte sich für die Loslösung Norwegens vom kulturellen Einfluß Dänemarks ebenso ein wie für eine Loslösung Norwegens vom politischen Einfluß Schwedens. Vehement trat er für eine unabhängige Republik Norwegen ein. Er hielt leidenschaftliche Plädoyers für den Weltfrieden, die Freiheit und die Unabhängigkeit des Individuums wie der einzelnen Nationen. Bjornson, der zu den besonders begnadeten Rednern seiner Zeit gehörte, hielt in Norwegen und 1880 in Amerika Vorträge über politische, soziale, ethische und literarische Probleme. Von Bjornstjerne Bjornson stammt der Text der norwegischen Nationalhymne: "Ja, vi elsker dette landet" ("Ja, wir lieben dieses Land"). 1903 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Bjornson, der zeitlebens viel gereist ist und jahrelang in Deutschland, Italien, Frankreich und Amerika gelebt hatte, starb 1910 in Paris.
Knut Hamsun
Der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun (eigentlich Pedersen) war der Sohn armer Schneidersleute bäuerlicher Herkunft. Die Familie siedelte 1862 nach Hamaroy - gegenüber den Lofoten am Hamsund gelegen über. Nach diesem Ort wählte der Schriftsteller später seinen Namen. In seiner Jugend führte Hamsun ein ruheloses Wanderleben und verdiente seinen Lebensunterhalt u. a. als Arbeiter und Hilfslehrer. Zweimal hielt er sich in Nordamerika auf; dabei gelangte er zu einem pessimistischen Urteil über die technisierte amerikanische Kultur. Nach weiteren Reisen lebte er ab 1918 auf dem Gut Norholm bei Grimstad in Südnorwegen. Knut Hamsun war mit der Schauspielerin Anna Marie Anderson verheiratet. Im Jahre 1920 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Aufsehen erregte er erstmals mit dem Roman "Hunger" (1890), in dem das Ringen eines jungen Schriftstellers nach Erfolg und seine bis zur körperlichen und seelischen Erschöpfung führenden Entbehrungen beschrieben werden. Weitere wichtige Werke sind u.a. "Pan" (1894), die Trilogie "Der Wanderer und die 'Segelfoss'-Romane. Hamsuns Werke lassen ein ausgeprägtes Naturgefühl und den Glauben an eine alles durchdringend Lebenskraft erkennen. Bei der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen im Jahre 1940 erließ Hamsun einen Aufruf zugunsten Deutschlands an seine Landsleute. Ferner veröffentlichte er Artikel in den Zeitungen der Partei von Vidkun Quisling, der mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitete. Nach dem Zweiten Weltkrieges wurde der Schriftsteller verhaftet und verurteilt.
Sigrid Undset
Die norwegische Schriftstellerin wurde am 20. Mai 1882 im dänischen Kalundborg als Tochter des Archäologen Ingvald Undset geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters musste sie ihre Schulausbildung abbrechen. Sie heiratete den Maler W.C. Svarstad in Lillehammer und arbeitete als Büroangestellte, bis sie nach ihren ersten Veröffentlichungen als freie Schriftstellerin leben konnte. Nach der deutschen Besetzung Norwegens floh sie in die USA, wo sie sich gegen den Nationalsozialismus engagierte.
Ihr Hauptthema, das sie mit tiefer psychologischer Einfühlung in immer neuen Varianten behandelte, ist die Stellung der Frau im täglichen Leben. Die Hauptfiguren sind Mädchen und Frauen, die sich nach einem ungebundenen Dasein sehnen, jedoch aufgrund schlechter beruflicher Aufstiegsmöglichkeiten und finanzieller Nöte in die Ehe flüchten. Der Frauenbewegung stand die konvertierte Katholikin jedoch ablehnend gegenüber, da ihr Mutterschaft als die wesensgemäße Aufgabe der Frau erschien. Ihr Hauptwerk ist die Romantrilogie "Kristin Lavranstochter". Nicht eines ihrer Bücher wäre denn auch eher gleichgültig zu nennen. Ihr großes Erzähltalent, das tiefe und realistische Wissen über die Irrwege des menschlichen Geistes zu allen Zeiten in allen Ländern, die gelehrten und immer selbständigen historischen und literarischen Kenntnisse, die konkreten Kenntnisse über die Natur und die Einsicht in die Bedeutung der Natur für den Menschen - bei Sigrid Undset kann man sich sowohl gefühlsmäßigen als intellektuellen Reichtum holen. Über die idealistische Tendenz hinaus war es jedoch sicherlich das große Erzähltalent Sigrid Undsets, das die Leser in der ganzen Welt ergriff. Noch bevor sie 1928 den Nobelpreis für Literatur erhielt, waren ihre Bücher in die wichtigsten Weltsprachen übersetzt worden, um nach 1928 in fast allen Sprachen der Welt zu erscheinen.
Sigrid Undset starb am 10. Juni 1949 in Lillehammer.

Links zum Thema Literatur

  • externer Link Nordlandshop - Landkarten und Bücher aus und über Norwegen
  • externer Link Abebooks.de - Abebooks.de ist Teil des größten Marktplatzes für antiquarische, vergriffene und gebrauchte Bücher weltweit.

  • externer LinkNordis Versand - auf Skandinavien speziallisierter Shop mit grosser Auswahl

  • externer LinkMeysenburg - Händler der sich auf Skandinavische Literatur speziallisiert hat. Hier bekommt man Bücher auf norwegisch

  • externer LinkNordlys - Skandinavische Import Buchhandlung mit grosser Auswahl. Hier bekommt man Bücher auf norwegisch

  • externer LinkSkanbuch - norwegische Bücher auf deutsch oder in Orginalsprache

  • externer LinkBokkilden - grosse Online Buchhandlung in Norwegen, Versand ins Ausland möglich

  • externer Linkmao - große Internet Buchhandlung mit guter Auswahl, Versand ins Ausland

  • externer LinkNorli - weit verbreitete Buchhandlung mit online Shop, Versand auch ins Ausland

  • externer LinkTanum - sehr große Buchhandlung, Auslandssendungen möglich

  • externer LinkBokklubene - Webpage des norwegischen Buchclubs

  • externer LinkLydbokforlaget - Hörbuchverlag mit grosser Auswahl, Versand ins Ausland möglich

  • externer LinkOdin - Informationen zur norwegischen Literatur

  • externer LinkForfatterindex - übersicht aller norwegischen Autoren und deren Veröffentlichungen

  • externer LinkNorsk Literatur - gute Übersicht Norwegischer Literatur

  • externer LinkBarnebokkritikk - gute Infoseite zu norwegischen Kinderbüchern

  • externer LinkNRK Literatur - Informative Seite zum Thema norwegische Literatur

  • externer LinkNasjonalbiblioteket - die norwegische Nationl Bibliothek, riesengroß und umfangreich

  • externer LinkCaplex - sehr umfangreiches norwegisches online Lexikon

nach oben