Geschichte der Stabkirchen

- Von der zweiten Hälfte des 8. Jh. Bis zum 11. Jh. Herrschten in Norwegen die Wikinger. Ihre Raubzüge führten sie u.a. auf die britischen Inseln.
- Das Christentum kam über Dänemark und vor allem über England durch Missionare nach Norwegen.
- Sie bauten meist nach heimatlichen (hauptsächlich angelsächsischem) Vorbild kleine Steinkapellen.
- Anfang des 11. Jh. Wurde Norwegen durch Olav den Heiligen († 1030) christianisiert. Der Glaube wurde mit Gewalt eingeführt, was zu Kriegen und Aufständen führte. Daher weigerten sich die Bauern oft, auch nach der Christianisierung, von den Göttern ihrer Väter abzulassen.
- Zur Zeit des Bürgerkrieges (1130 bis 1230), als es darum ging, die Wikinger an christlich-bäuerliche Sesshaftigkeit zu gewöhnen, wurden die ersten Stabkirchen gebaut.
- Auf dem Land (in den abgelegenen Tälern und Fjorden) suchte man nach einer eigenständigen Form des inzwischen angenommenen Glaubens, während man in den Städten kirchlichen Größe und Macht durch Steinarchitektur der Romantik und Gotik ausdrückte.
- Stabkirchen wurden ein Ausdruck eines jahrhundertealten Handwerks uns des Willens, sich gegenüber fremden Einflüssen zu behaupten. Sie waren ein bewusstes Sich-anlehen an den Schiffsbau des Wikingertums, an die alten Holzschnitzkunst und die Abbilder vorchristlicher Mythen.
- Die Vorbilder für die Stabkirchen lagen zum einen im germanischen "Hov", einem abgeschlossenen Opfer- und Kultbau, der im Gegensatz zum Profanbau eine senkrecht stehende Konstruktion besaß (Ein-Mast-Bau). Andererseits liegen die möglichen Vorbilder auf britischem und irischem Boden, wie die Holzkirche von Greenstad.
- Die Bezeichnung "Stabkirche" wurde erst in der Reformationszeit im Gegensatz zu den immer häufiger werdenden Steinkirchen eingeführt. Allgemein wird der Begriff "stav" überhaupt für aufrecht stehende Holzbauten gebraucht, also auch für Stabkirchen.
- Ursprünglich gab es in Norwegen etwa 700-850 Stabkirchen, die zwischen dem 11. und 13. Jh. Erbaut wurden.
- In der ersten Hälfte des 17. Jh. Ergab eine erstmals amtliche Zählung noch ca. 250 Stabkirchen, um 1750 waren es nur noch 135, heute sind es 28.
- Die geringe Anzahl kam durch Verfall, Abbruch und Zerstörung durch Blitzschlag und Feuer. Viele waren auch so umgebaut worden, dass sie kaum noch als Stabkirchen erkennbar sind.
- Das Interesse der Kirchenbesitzern (Bauern) an der Erhaltung dieser Kirchen war nicht besonders groß, da sie nichts einbrachten. Dies hatte einerseits den Abriss, aber auch manchmal die Erhaltung der ursprünglichen Formen zur Folge, da das Geld für verfremdende Reparaturen fehlte.
- Die letzte bekannte Erweiterung einer mittelalterlichen Kirche im traditionellen Stabwerk erfolgte noch um 1720.
- 1837 lenkte der norwegische Maler Christian Clausen Dahl (1788-1857) mit seiner in Dresden erschienenen Schrift "Denkmale einer ausgebildeten Holzbaukunst aus den frühesten Jahrhunderten in den inneren Landschaften Norwegens" erstmals die Aufmerksamkeit auf die kulturelle Bedeutung der Stabkirchen.
- 1844 wurde die "Vereinigung zur Bewahrung norwegischer Denkmäler der Vergangenheit" gegründet. Diese Vereinigung oder auch Privatpersonen oder Institutionen kauften den Gemeinden die vom Abriss bedrohten Stabkirchen ab, um sie an Ort und Stelle zu bewahren oder sie in Freilichtmuseen zu überführen.
- 1851 schrieb ein neues Kirchengesetz für mindestens drei Zehntel der Gemeinde Sitzplätze vor. Da in den Stabkirchen ursprünglich keine Sitzplätze vorhanden waren, wurden einige abgerissen, da sie zu klein waren.
- 1880 wurde die letzte Stabkirche abgerissen. Oft wurden aber die Portale erhalten. Heute gibt es noch etwa 140 Stabkirchenportale oder Portalteile in Stabkirchen und Museen.
- 1905 wurden die noch erhaltenen Stabkirchen unter Denkmalschutz gestellt.
- 1992 brannte die Stabkirche von Fantoft bei Bergen nieder.
(Abb1) "Ausfahrt der Wikinger - das Osebergschiff" von F. Jung-Ilsenheim
(Abb.2) Stabkirche von Heddal

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