Stabkirchentypen

Die einfachen Stabkirchen

Bei der einfachen Stabkirche besteht das Bauwerk aus Stabwerkwänden und Satteldach. Die Saumdielen der Wände liegen auf einer niedrigen steinernen Grundmauer. Diese Kirchen haben oft ein rechteckiges Schiff und einen etwas schmaleren Choranbau mit geradem Abschluss. Der Chor ist durch Mittelstäbe in der Ostwand der Kirche mit dem Schiff verbunden. Schiff und Chor waren meistens zunächst ohne Gewölbe, und die Dachkonstruktion war deshalb vom Kircheninneren zu sehen. Die Dächer werden getragen von Dachstühlen mit Sparren, Schersparren und Hahnenbalken, wobei die Schersparren mit den in Rillen am Oberteil des Liegestabes befestigten Sparren verbunden sind. Die einzelnen Teile sind mit Bolzen befestigt
Werden Pfetten verwendet, so besteht das Dach aus einer doppelten Schicht. Die untere Brettschicht ist an den Pfetten befestigt und liegt parallel zu den Sparren. Die obere Brettschicht besteht aus Brettern, die parallel zu den Pfetten liegen.

Kirchen mit erhöhtem Mittelraum

Auch diese Kirchen bestehen aus einem rechteckigen Schiff und einem etwas kleineren Chor, die beide über von inneren Stäben gebildete erhöhte Mittelräume verfügen. Das Satteldach des erhöhten Mittelraumes ist wie das Dach einer einfachen Stabkirche konstruiert. Auch das Doppelwalmdach des Umgangs weist diese Konstruktion auf. Dazu kommen Stützbalken zwischen den Liegestäben des Umgangs und den Stäben des Mittelraums.
Der eigentliche Kirchenbau kann von einem niedrigeren "Svalgang" mit einem ähnlichen Doppelwalmdach wie das des Umgang umgeben sein. Der Svalgang, eine Art Laubengang, trägt dazu bei, der Stabkirche ihr charakteristisches, abgestuftes Aussehen zu geben. Er ist an den Außenwänden der Kirche befestigt und ebenfalls in Stabwerk ausgeführt. In Stabkirchen mit Grundstöcken werden diese oft genügend verlängert, um die Unterlage für die Saumdielen des Svalganges zu bilden.
  • (Abb.46) Vergleich verschiedener Kirchenumrisse im gleichen Maßstab. Nur mittelalterliche Teile sind abgebildet
  • (Abb.48) Typische Mastkirche mit erhöhtem Mittelraum: Borgund Perspektivischer Schnitt, Grundriss und Ansicht
(Abb.47) Stabkirche von Haltdalen: Grundriss und perspektivischer Schnitt

Haltdalen-Typ

Einfachste Langkirchen ohne innere Stäbe, mit rechteckigem Schiff und einem etwas schmaleren, gerade abgeschlossenem Chor. Im Mittelalter waren vermutlich die meisten norwegischen Stabkirchen von diesem Typus. Heute sind in Norwegen nur sechs Stabkirchen vom Haltdalen-Typus erhalten, die meisten davon weisen beträchtliche Um- und Erweiterungsbauten auf. Die besterhaltene ist die etwa 1170 errichtete Haltdalen-Stabkirche.
  • (Abb. 56) Stabkirche von Haltdalen
  • (Abb.57) Grundriss von Haltdalen
  • (Abb. 58) Längsschnitt, Querschnitt und Grundriss der Stabkirche von Hedalen
  • (Abb.59) Stabkirche von Hedalen

Numedal-Typ

Langkirchen, bei denen sich mitten im Schiffein Mast befindet, was auch zu dem Begriff "Mittelmastkirchen" geführt hat. Ursprünglich fußte der Stab in einem Grundstock und war durch horizontale Verbindungsbalken mit den Liegestäben der Wände verbunden. Der Mittelmast scheint zwei Aufgaben gehabt zu haben. Einerseits sollte er die Außenwände und in einigen Stabkirchen auch den erhöhten Mittelraum stabilisieren, andererseits scheint er ursprünglich einen Dachreiter mit Glocken getragen zu haben.
Insgesamt haben drei Stabkirchen mit Mittelmast die Zeit überdauert. Eine weitere Gemeinsamkeit der Stabkirchen des Numedal-Typus ist, dass die erhaltenen Dachkonstruktionen auf getäfelte Pfetten verzichten.
  • (Abb.49) Grundriss der Stabkirche von Nore
  • (Abb.52) Konstruktion und Grundriss der Einmastkirche

Borgund-Typ

Langkirchen, bei denen Schiff und Chor über einen erhöhten Mittelraum verfügen. Zu diesem komplizierten Stabkirchen-Typus sind dreizehn der erhaltenen Stabkirchen zu zählen. Auch die 1992 abgebrannte Stabkirche von Fantoft bei Bergen gehörte zu dieser Gruppe. Dass relativ viele Stabkirchen des Borgund-Typus bewahrt sind, liegt vermutlich daran, dass sie die größten Kirchenbauten waren. Viele der Stabkirchen mit erhöhtem Mittelraum sind ausgiebig erweitert worden, die besterhaltene ist die Borgund-Stabkirche im Lærdal.
Einige Eigenschaften der Stabkirche des Borgund-Typus erinnern an dreischiffige Steinkirchen, in denen das Mittelschiff etwas höher aufragt und ein "basilikales" Oberlicht gibt. Einzelne Forscher halten deshalb die Stabkirche des Borgund-Typus für lokale Nachahmungen der zeitgenössischen Steinkirchen. Wenig umstritten ist der Einfluss der Steinarchitektur auf die Masten, die wie Säulen mit Basen und Kapitellen geformt sind, sowie auf die gewölbten Wände der Apsis. Andere Forscher haben die auffälligen Unterschiede in der Konstruktion von Schiff und Chor in den Stabkirchen mit erhöhtem Mittelraum betont. Dort, wo die Konstruktion des Schiffs vollständig und streng logisch wirkt, erscheint die des Chors unvollständig und unlogisch. Daraus wird geschlossen, dass die Konstruktion des Schiffs auf ein früheres Zentralgebäude mit erhöhtem Mittelraum zurückweist, während der Chor später hinzugefügt wurde, um neue Anforderungen an einen Kirchbau zu befriedigen.
Bei diesen komplizierten Stabkirchen variiert die Anzahl der Stäbe im Mittelraum, die bis zum Boden geführt sind. In einzelnen Kirchen schließen relativ viele Stäbe mit einem Querbalken ab, der die Stäbe verbindet. Die Abweichungen bei der Anzahl von vollständigen inneren Stäben haben zur Theorie einer Entwicklungschronologie von vielen zu wenigen inneren Stäben geführt. Am konsequentesten ist das in drei Stabkirchen durchgeführt, bei denen nur die vier Eckpfosten im gehobenen Mittelraum des Schiffs bis zum Boden geführt sind. Da zwei dieser Kirchen in Valdres liegen, wird diese Art als Valdres-Typ bezeichnet, der als Untergruppe des Borgund-Typs zu betrachten ist.
  • (Abb.60) Stablirche von Heddal
  • (Abb.61) Grundriss von Heddal ohne Umgang
  • (Abb.62) Grundriß von Borgund
  • (Abb.63) Längsschnitt Stabkirche von Borgund

Møre-Typ

Eine Gruppe bisher nur wenig erforschter Stabkirchen wie vor allem jene aus Møre. Drei Kirchen dieses Typs sind erhalten, zwei Hallen- und eine Langkirche. Charakteristisch für diese Kirchen ist die Verwendung von Mittelstäben in den Längswänden und von durchgehenden Deckenbalken, was ihnen eine gewisse Ähnlichkeit mit westnorwegischen Lattenbauten gibt. Dort, wo die ursprüngliche Deckenkonstruktion erhalten ist, wurde auf Kniestücke zur Stütze der Dachstühle verzichtet. Zwei der Kirchen werden von außen durch Schrägstreben gestützt, die an Liegestäben und Boden befestigt sind. Ob diese Schrägstreben die ursprüngliche Lösung darstellten, ist jedoch unbekannt.
  • (Abb.54) Die Stabkirche von Kvernes in Møre war eins eine Langkirche mit rechteckigem Schiff und einem schmaleren Choranbau. Eingezeichnet ist der ursprüngliche Chor. Eine Besonderheit dieses Planes in eine Reihe von Mittelstäben in den Schiffswänden.
  • (Abb.55) Südostansicht von Kvernes Der Chor wurde 1633 erweitert. Aus derselben Zeit stammt vermutlich auch der Dachreiter. Das Kirchenäußere wird von einer Reihe von Strebebalken geprägt, die den Bau stützen.
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