Norwegische Trolle

Trolle und Norwegen gehören einfach zusammen wie Adam und Eva! Wann immer man sich in diesem Land bewegt, wird man mit Trollen konfrontiert. Und das nicht nur im Touri Shop oder im Kinderbuch.
Viele Menschen halten Trolle für reine Fantasie-Gestalten. Jedoch wenn man durch dieses Land fährt und dieses unberührte Natur sieht, kommen einen schon die ganzen Trollgeschichten in den Sinn und auf einmal kann man sich doch irgendwie vorstellen, dass in diesen großen Wäldern irgendwo Trolle leben.
Oftmals geht ja auch das Gerücht um, dass Trolle böse Wesen sind. Das kann man jedoch so allgemein gar nicht sagen. Wenn dem so wäre, hätten Trolle bestimmt nicht eine so große Beliebtheit bei Kindern und Erwachsenen erlangt. Es gibt eine große Anzahl von Büchern für Kinder mit Trollgeschichten, in denen man nicht den Eindruck bekommt, dass diese Wesen von Grund auf böse sind.
Darüber hinaus haben manche Wörter im Norwegischen mehrere Bedeutungen. So kann das Wort Troll schon auch negativ verwendet werden, zum Beispiel für einen Unhold. Das Wort trollet steht für boshaft, hämisch oder schlimm. Jedoch das Wort trolle bedeutet zaubern, was ja nicht unbedingt etwas negatives ist. Und das Wort trollbinde steht für bezaubernd, was ja nun doch etwas schönes ist.
Ein paar weitere, trollige Vokabeln: trolldom = Zauberei, trolldomsaktig = zauberhaft, trolldomskraft = Zauberkraft,
Eins meiner Lieblingsworte aus dieser Kategorie ist trolsk, was soviel wie zauberhaft heißt. Und wenn ich mit offenen Augen durch dieses Land fahre, so ist trolsk einfach die Vokabel, mit der ich dieses Land am treffensten beschreiben kann!
Wer hat noch nie bei einem nächtlichen Spaziergang im dunklen Wald einen Troll gesehen? Ein zerzauster Kopf erscheint hinter einer großen Felszacke, oder ein glänzendes Trollauge lugt zwischen massigen Baumstümpfen hervor. In keinem anderen skandinavischen Land gehören die Trolle so fest zu Kultur und Erzähltradition wie in Norwegen. Im durchaus wörtlichen Sinne spielen die Trolle sowohl in der Folklore als auch im Märchen eine große Rolle. Aber warum gerade in Norwegen? Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Im übervölkerten Europa stellt Norwegen nach wie vor ein Königreich der Natur dar. Tief in den schier endlosen Wäldern herrscht noch genau jene Ruhe wie vor Tausenden von Jahren. Dort in den Wäldern hat das moderne Leben keinerlei Bedeutung. In dieser Stille im Angesicht des mächtigen Rhythmus der Natur kommt sich der moderne Mensch, der seine Existenz in Stunden und Minuten misst, ziemlich hilflos vor.
Nach den alten, fast vergessenen norwegischen Legenden gibt es eine Vielzahl verschiedener Trolle. Einige von ihnen sind Riesen, andere wiederum von kleinem, zwergenhaftem Wuchs. Alle jedoch haben lange, gebogene Knubbelnasen, an jeder Hand nur jeweils vier Finger und an den Füßen auch nur je vier Zehen. Die meisten Trolle haben lange Schwänze mit einem dichten Haarbüschel am Ende, einige haben nur ein Auge, andere wiederum hatten zwei oder sogar drei Köpfe. Der Legende nach sind die Trolle Kreaturen, die sich nur im dunklen Wald und nur in der Nacht bewegen. So verschieden sie auch aussehen, so viele Gemeinsamkeiten haben sie doch. Die meisten sind unermesslich reich und können gar nicht genug Gold und Silber in ihren Verstecken horten. Für die Jagd nach neuen Schätzen brauchen sie den Schutz der Dunkelheit. Im Sonnenlicht verlieren viele ihr Leben: Sie platzen einfach oder zerfließen. Oft reicht es aber schon, den Troll gehörig zu ärgern, um ihn platzen zu lassen. Hingegen genügt es nicht, Arme und Beine abzuhacken, um das Ungeheuer zu besiegen. Sogar der abgeschlagene Kopf kann nachwachsen, falls der Troll nicht ohnehin schon mehrere Köpfe hat.
Alle Trolle können steinalt werden, so alt, dass sie längst vergessen haben, wie viele Jahre sie schon leben. Zeit spielt für sie keine Rolle. Ruft einer dem anderen etwas zu, vergeht ein Jahrhundert, bis die Antwort kommt. Und so alt wie die norwegischen Dämonen ist auch der Name Troll. Schon im Altnordischen wurden die "Unholde in Riesen- oder Zwergengestalt" so genannt. "Trullôn", die verwandte germanische Form, bedeutet soviel wie "trudeln" und "rollen". Die meisten haben dichtes, zottiges Haar und sehen auf den ersten Blick sehr furchterregend aus. Gewöhnlich sind sie jedoch als gutmütig und manchmal sogar fast einfältig bekannt.
Wenn Trolle jedoch erzürnt werden, ist dieser Zorn oft unbändig und kann verheerende Folgen haben. Daher war es in alter Zeit für die Bewohner der Wälder Norwegens überaus wichtig, mit den Trollen gut auszukommen und sie nicht zu verärgern, was sich dann wiederum als sehr lohnend erweisen konnte, da die Trolle nicht nur die Beschützer der Wälder, sondern auch die Beschützer aller Freunde des Waldes sind.
Wie die Trolle und anderen Gestalten der norwegischen Wälder aussehen weiß in Norwegen jedes Kind, denn am Ende des vergangenen Jahrhunderts hielt der Malter Theodor Kittelsen die Trolle und anderen Gestalten der norwegischen Wälder in seinen Bildern fest. Er zeichnete sie alle: den einäugigen Waldtroll, den heimtückischen Nøkk und den Bergtroll, dessen fünf Köpfe aneinanderschlagen.
Legenden um die Trolle werden heute noch in kalten Winterabenden beim roten, warmen Feuerschein des prasselnden Kamins erzählt. Doch es ist selbst heutzutage noch immer ratsam, die Trolle besser nicht zu erzürnen und bei ihnen in einem guten Licht zu stehen.
Wenn man also das nächstemal durch die Wälder und Berge streifen, dann sollten man sich daran erinnern, daß die Trolle wahrscheinlich eher gutmütig und harmlos sind. Aber Vorsicht, man weiß ja nie...

Links zu Seiten im www wo man noch mehr Trolle finden kann


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