Norwegische Volkskunst

Norwegische Kultur ist ein weites Feld. Die Anfänge liegen sicher in der Wikingerzeit und in dem, was damals von den Menschen erschaffen wurde. Die Wikinger verdankten ihre Macht größtenteils ihrer Überlegenheit im Schiffsbau. Ihre überaus seetüchtigen Boote waren in "Klinkerbauweise" hergestellte Meisterwerke der Zimmermannskunst und hatten darüber hinaus eine klare und harmonische Form, die noch heute zu begeistern mag. Den Namen Drachenboote trugen ihnen die kunstvoll geschnitzten Verzierungen ein, die sie an ihrem in elegantem Schwung hochgezogenen Vordersteven trugen und oft die Form von Drachenköpfen hatten.
Auch bei der Herstellung von Gebrauchsgegenständen erwiesen sich die Wikinger als wahre Meister mit dem Schnitzmesser, die auch ihre Häuser mit üppigen Ornamenten verzierten. Hier wurden Säulen und ihre Kapitelle sowie die auf ihnen ruhenden Balken und Giebel mit sehr viel Liebe in kleine Kunstwerke verwandelt. Die Holzschnitzerei war eine hoch entwickelte Kunst, die hauptsächlich für den Bedarf der Adligen ausgeübt wurde - manchmal sogar von ihnen selbst.
Im 12. Jh., als die Kirche nach und nach den Wikingeradel als Auftraggeber für die Künstler ablöste, wurden die Stabkirchen die Hauptobjekte der Holzschnitzerkunst. Rund 750 von diesen hölzernen Gotteshäusern wurden errichtet, die meisten in den hundert Jahren von 1150 bis 1250. Zweiunddreißig davon sind erhalten geblieben und gehören zu den ältesten Holzgebäuden der Welt. Ihren Namen haben die Stabkirchen von dem Stab genannten senkrechten Holzpfeilern, die das Gerüst der Kirche bilden.

Gebrauchskunst

Neben den Stabkirchen verzierten die Vorfahren der heutigen Norweger auch die Portale und Fensterstöcke ihrer Bauernhäuser sowie ganz normale Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Stühle, Betten, Tische, Schöpfkellen, Holzschüsseln oder Truhen mit reichen Schnitzereien.
Diese im Mittelalter entstandene Tradition wird bis heute gepflegt. So sind die aus Holz gebauten Häuser und Hytten der Norweger auch bis in die heutige Zeit fast alle mit Schnitzereien verziert.
Die genial einfache Konstruktion der alten Holzbauten (die Stabkirchen beispielsweise wurden aus "vorfabrizierten" Bauteilen direkt vor Ort, zusammengefügt) hat dazu geführt, dass man in Norwegen recht häufig das anderswo nur mit großem Aufwand durchführbare Hobby des "Häusersammelns" antrifft. Einer der ersten, der dieser Leidenschaft verfiel, war der Zahnarzt Anders Sandvig, der Ende des 19.Jhs. zahlreiche Holzhäuser aus dem Gudbrandsdal abtragen, und auf einem Grundstück bei Lillehammer wieder aufbauen ließ. Die so vor dem Verfall geretteten, oft viele hundert Jahre alten Gebäude, kann man noch heute im Freilichmuseum Maihaugen bewundern.

Die »Rosenmalerei«

Ebenso wie die bäuerliche Holzschnitzerei wurde auch das Rosemaling aus dem Bedürfnis einfacher Leute nach Verzierung ihrer Alltagsgegenstände entwickelt. Meistens wurden beide Kunstformen dadurch kombiniert, dass man geschnitzte Gegenstände, Möbel oder Hausteile mit bunten Farben bemalte. Der Name Rosemaling ist irreführend, denn Rosen sind beileibe nicht die einzigen Motive dieser Kunstform, die man besser mit »Bauernmalerei« übersetzen sollte.
Leider sind die alten Malereien auf Häusern und Haushaltsgegenständen weniger gut erhalten als die Holzschnitzereien, so dass sich über die Anfänge des Rosemalings nur Vermutungen anstellen lassen. Die ältesten erhaltenen Malereien lassen sich auf den Anfang des 18.Jhs. zurückdatieren. Es gibt zahllose Theorien über den Ursprung des Rosemalings. Eine geht davon aus, dass mit der farbenfrohen Malerei die düsteren Innenräume der mit nur wenigen und kleinen Fenstern ausgestatteten Häuser optisch freundlicher gestaltet werden sollten. Eine andere Theorie, erhärtet von zeitgenössischen Dokumenten, besagt, die Bauern hätten mit dem Rosemalingdie Innenausstattung der Kirchen kopiert, die damals im ländlichen Raum die einzigen öffentlichen Gebäude waren.
Wo auch immer das Rosemaling hergekommen sein mag, im Lauf der Jahrhunderte hat es seinen eigenen Stil entwickelt, dessen ständige Veränderungen einen Spiegel der sich wandelnden Zeiten darstellen. Als Ende des 18.Jhs. immer mehr Geistliche und staatliche Beamte in die ländlichen Gebiete entsandt wurden, brachten sie auch ihre Möbel und andere Haushaltsgegenstände aus den Städten mit. Diese Dinge wurden dann von den bäuerlichen Handwerkern auf ihre eigene Weise nachgeschaffen.
Die weitgehende Isoliertheit der durch unwegsame Berge voneinander abgeschotteten Täler sorgte dabei dafür, dass sich an verschiedenen Orten ganz eigene Stilrichtungen entwickelten. So hatten die Bauern im Halligdal beispielsweise eine Vorliebe für sanft geschwungene, S-förmige Linien, mit denen sie vom Hölzlöffel bis zur Häuserwand so gut wie alles verzierten, während man im reichen Gudbrandsdal selbst Sitzbänke und Bettkästen mit aufwendigen Schnitzereien versah.

Weiterführende Links zum Thema Volkskunst


  • externer LinkOlavsrosa - Die Olavsrose ist ein Wegweiser für das norwegische Kulturerbe

  • externer LinkNorsk Kulturarv - Stiftung zur Erhaltung und Pflege des norwegischen Kulturguts

  • externer LinkNorsk Folkemuseum - Viele Infos, nicht nur über dieses Museum sondern norwegische Volkskunst generell

  • externer LinkHusflidportalen - Übersicht div. Folkemuseum in Norwegen

  • externer LinkMuseumsnett - Übersicht mit Museen und Ausstellungen in ganz Norwegen

  • externer LinkNorgeshistorien - mehr zur Geschichte Norwegens auf diesen Seiten

  • externer LinkRosemaling - große und informative Seite zur Rosenmalerei

  • externer LinkRosemaling Hjemmeside - private Infoseite zum Thema Rosenmalerei

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